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Staatsminister Dr. Schäfer ehrt ehemaligen Finanzminister Starzacher als „Mensch des Respekts“

Finanzminister Karl Starzacher beauftragte 1998 das Fritz Bauer Institut mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Akten der hessischen Finanzverwaltung aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Abgebildet v. l. n. r.: Staatsminister a.D. Karl Starzacher, Zeitzeuge Wolfgang Lauinger und Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer
Abgebildet v. l. n. r.: Staatsminister a.D. Karl Starzacher, Zeitzeuge Wolfgang Lauinger und Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer.

Wider das Vergessen: Dies war und ist der Leitgedanke des ehemaligen Finanzministers Karl Starzacher (1995-1999). Ihm ist es zu verdanken ist, dass Ende der 1990er Jahre die Akten der hessischen Finanzverwaltung aus der Zeit des Nationalsozialismus für die wissenschaftliche Forschung geöffnet wurden. Seine Entscheidung ermöglichte letztendlich auch die Wanderausstellung „Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945“, organisiert vom Fritz Bauer Institut und dem Hessischen Rundfunk. Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer zeichnete heute Karl Starzacher für seine mutige Entscheidung als „Mensch des Respekts“ aus: „Nur wer hinschaut, kann verstehen. Nur wer versteht, kann aus der Vergangenheit lernen. Sie, lieber Herr Starzacher, haben genau hingeschaut und Sie haben mit Ihrer Entscheidung zur Öffnung der Akten für die Forschung den Grundstein gelegt, dass wir nun alle die Möglichkeit haben, genau hinzuschauen. Das ist unser aller Aufgabe. Denn nur so können wir die Erinnerung an das geschehene Unrecht an Millionen von Menschen lebendig halten und das Unrecht beim Namen nennen, ganz gleich wer es begangen hat“, so Thomas Schäfer bei der heutigen Veranstaltung auf dem Campus der Goethe-Universität Frankfurt.

Hessens Finanzminister a.D. Karl Starzacher sagte heute: „Als ich Ende der 1990er Jahre den Anstoß dafür gab, die Akten der ehemaligen Reichsfinanzverwaltung im Bereich des heutigen Bundeslandes Hessen über die Ausplünderung der hessischen Juden durch den nationalsozialistischen Staat historisch aufzuarbeiten, wurde wiederholt die Frage gestellt,  warum dieses wichtige Thema unserer Geschichte nicht schon viel früher in all seinen Facetten Gegenstand der Forschung und des öffentlichen Diskurses war. Auch ich stellte mir diese Frage. Die freigegebenen Akten der Finanzverwaltung sind ungewöhnlich eindrucksvolle und zugleich verstörende Dokumente. Sie erzählen Geschichten: Geschichten von Opfern und Tätern und von einem staatlich organisierten Raubzug. All das ist geschehen! Durch die wissenschaftliche Aufarbeitung der Akten und durch die außergewöhnlich und ausgezeichnete  Ausstellung ‚Legalisierter Raub‘ geben wir den Opfern ein Gesicht und ihrem Schicksal eine Stimme. Deshalb liegt mir dieses Projekt bis heute sehr am Herzen!“

Finanzminister Karl Starzacher beauftragte das Fritz Bauer Institut mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung

Die Direktorin des Fritz Bauer Instituts, Prof. Dr. Sybille Steinbacher, sagte heute: „Im Jahr 1998 beauftragte der damalige Finanzminister Karl Starzacher das Fritz Bauer Institut mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Akten der ehemaligen Reichsfinanzverwaltung im heutigen  Hessen. Das war nicht nur ein Forschungsauftrag, sondern auch ein grundlegender Impuls für die wissenschaftliche und  öffentliche Auseinandersetzung mit der aktiven Rolle der deutschen Bürokratie im Holocaust und der Frage, wie die Verbrechen in der Bevölkerung wahrgenommen wurden. Alltägliche Verwaltungsabläufe, Bürotätigkeiten, kurz: Routinen, wie sie in Behörden üblich sind, waren Teil der Verbrechen. Das Wissen über die Vorgänge  führt die Verantwortung des Einzelnen drastisch vor Augen. Die Ausstellung ‚Legalisierter Raub‘ hat durch ihre Wanderung in 29 Orte immer wieder Fragen aufgeworfen und Gespräche über die Geschichte des Holocaust in der eigenen Kommune angestoßen. Dabei spielte die Erzählung von überlebenden Verfolgten eine zentrale Rolle. Als neue Direktorin des Fritz Bauer Instituts danke ich Herrn Minister a.D. Karl Starzacher für seine politische Initiative, mit der er Zeichen gesetzt hat, und Herrn Minister Dr. Thomas Schäfer dafür, dass er die Schirmherrschaft bei der Abschlusspräsentation der Ausstellung im nächsten Jahr in Frankfurt übernehmen wird. Mein besonderer Respekt gilt Herrn Wolfgang Lauinger für sein persönliches Engagement als Zeitzeuge.“