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„Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“ – Schultheater gegen Gewalt im Namen der Ehre

Ehrgewalt und Zwangsheirat sind nicht nur Probleme weit entfernter Länder. Auch hier in Hessen werden Schüler sowie Lehrkräfte mit der Problematik konfrontiert.

Theater

Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz hat heute die August-Bebel-Schule in Offenbach besucht, in der das Schultheater „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“ aufgeführt wurde. Das von der Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES und dem Ensemble „Mensch: Theater!“ initiierte Stück macht auf Gewalt im Namen der Ehre und Zwangsheirat aufmerksam. Finanziert wird das Projekt durch das Hessische Kultusministerium und das Netzwerk gegen Gewalt. Mehr als 700 Schülerinnen und Schüler haben auf diesem Wege die Möglichkeit, sich mit Themen wie Zwangsverheiratung, Homosexualität und Jungfräulichkeit auseinanderzusetzen.

Kultusminister Lorz lobte den kreativen Beitrag zur Gewaltprävention und betonte, wie wirksam solche Projekte seien: „Uns ist es wichtig, Schülerinnen und Schüler für die Themen Zwangsheirat und Gewalt im Namen der Ehre zu sensibilisieren. Zwangsverheiratung ist eine Straftat, gegen die man sich erfolgreich zur Wehr setzen kann. Doch das ist vielen Jugendlichen nicht bewusst. Wir fördern daher innovative Projekte wie das Theaterstück von TERRE DES FEMMES, um auf diesem Wege gezielt Aufklärungs- und Präventionsarbeit zu leisten.“, sagte Lorz.

Rolle der Institution Schule

Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES, verdeutlicht zudem die wichtige Rolle der Institution Schule: „Für viele von Zwangsheirat bedrohte Jugendliche ist die Schule der einzige Ort, um sich über Hilfsmöglichkeiten in ihrer Notsituation zu informieren. Wir wenden uns daher mit dem Theaterprojekt direkt an Schülerinnen und Schüler und leisten einen wichtigen Beitrag, um Mädchen in ihrer Suche nach einem selbstbestimmten Lebensweg zu unterstützen.“

Das interaktive Schultheater „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“ wird seit Juni an hessischen Schulen aufgeführt. Es behandelt Themen und Konflikte, unter denen besonders Jugendliche aus Familien, die von autoritären Familienmitgliedern bestimmt und kontrolliert werden, leiden. Dazu zählen bspw. Isolierung von den Mitschülern, Verbot von Liebesbeziehungen, Ächtung von Homosexualität, Zwang zur Jungfräulichkeit oder Zwangsverheiratung. Die Schauspielerinnen und Schauspieler beziehen im Stück die Schülerinnen und Schüler aktiv ins Geschehen mit ein, es werden Szenen, die sich in ihrem eigenen Umfeld oder auf dem Schulhof abspielen, nachgestellt. Im Anschluss entwickeln die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit dem Ensemble Lösungen für Konfliktsituationen und bestimmen so den Verlauf der Szenen aktiv mit. Nach der Aufführung werden Arbeitsgruppen gebildet, in denen Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit dem Projektteam das Geschehene aufarbeiten und mehr über Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene erfahren. Eine Fachkraft der Darmstädter Beratungsstelle Mäander begleitet alle Aufführungen.

Kultusminister Lorz bedankte sich beim Ensemble und den Organisatoren des Theaterstücks und wies noch einmal auf die besondere Rolle der Schulen im Hinblick auf die Prävention von Ehrgewalt hin: „Für Schülerinnen und Schüler, die von Ehrgewalt betroffen sind, ist die Schule ein Schutzraum, ein Ort, an dem sie sich der Kontrolle der Familie ein stückweit entziehen können. Lehrkräfte aber auch Mitschüler sind Vertrauenspersonen, gegenüber denen sie sich öffnen und Probleme ansprechen können. Neben der Möglichkeit, im Unterricht ein Bewusstsein für kulturelle Unterschiede, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung zu vermitteln, finden Schülerinnen und Schüler hier auch eine erste Anlaufstelle auf dem Weg zur Krisenbewältigung“, sagte Lorz. Damit dieser Weg kompetent begleitet wird, haben sich verschiedene Partner in Hessen zum Netzwerk gegen Gewalt zusammengeschlossen. Anfang des Jahres wurde ein Leitfaden zum Schutz von jungen Menschen, die von Ehrverbrechen betroffen sind, herausgegeben. Gemeinsam mit Unterrichtsmaterialien zum Thema ist die Broschüre unter netzwerk-gegen-gewalt.hessen.de erhältlich.

Hintergrund

„Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“ entstand 2014 als Gemeinschaftsproduktion von TERRE DES FEMMES, dem Theaterensemble „Mensch: Theater!“ und der Beratungsstelle Yasemin in Stuttgart. Kooperationspartner in Hessen ist die Darmstädter Beratungsstelle Mäander e.V. Finanziert wird das Projekt durch das Hessische Kultusministerium sowie durch das Netzwerk gegen Gewalt. Bisher konnten bereits mehr als 1800 Schülerinnen und Schüler über das interaktive Theaterstück erreicht werden.

Für Nachfragen und Interviews wenden Sie sich bitte an TERRE DES FEMMES, Marion Brucker (Pressereferentin), Tel. 030/ 40504699-25, oder per Mail an presse@frauenrechte.de